Neue Initiative widmet sich der sportlichen Leistungsfähigkeit von Frauen im Fussball
FIFA-Projekt für die Gesundheit, das Wohlbefinden und die Leistung von Frauen bietet kostenlose und weltweit zugängliche Bildungsangebote
"Eine der größten Stärken des Projekts ist die Vielfalt seines globalen Expertennetzwerks" – Dawn Scott
Obwohl der Frauenfussball weltweit wächst, bestehen in der Forschung über Athletinnen weiterhin erhebliche Wissenslücken. Die sogenannte «Gender Data Gap» beeinflusst unter anderem die Entwicklung von Trainings- und Regenerationskonzepten. Mit dem Projekt für die Gesundheit, das Wohlbefinden und die Leistung von Frauen will die FIFA dazu beitragen, diese Lücke zu schliessen.
"Für mich geht es darum, eine Bewegung ins Leben zu rufen", erklärt Dawn Scott, die insbesondere durch ihre Tätigkeit bei der US-amerikanischen Frauen-Nationalmannschaft bekannt wurde. Als Leistungstrainerin gehörte sie zu jenem Team, das zwei FIFA Frauen-Weltmeisterschaften gewann und olympisches Gold holte.
"Wir haben ein enormes Wachstum im Frauenfussball und steigende Investitionen in den Sport erlebt. Ein Grossteil dieser Investitionen konzentriert sich jedoch auf die höchste Leistungsebene – wovon wahrscheinlich nur etwa zwei Prozent der Fussballerinnen profitieren. Gleichzeitig fehlen vielen Mädchen im Breitensport nach wie vor klare Entwicklungswege, hochwertige Trainingsumgebungen und der Zugang zu Trainerinnen und Trainern, die über das Wissen und die Ressourcen verfügen, um sie zu unterstützen. Oft bleiben dadurch sowohl sportliche Entwicklungsmöglichkeiten als auch – und das ist besonders wichtig – die Aufklärung über den eigenen Körper und die weibliche Physiologie auf der Strecke."
Genau hier setzt das FIFA-Projekt für die Gesundheit, das Wohlbefinden und die Leistung von Frauen an. Es stellt kostenlose, weltweit zugängliche Bildungsangebote bereit und verfolgt unter anderem das Ziel, Gespräche über die Gesundheit und Leistungsfähigkeit von Frauen zu normalisieren. Mithilfe dieser Initiative sollen eine gemeinsame Sprache und ein gemeinsames Verständnis geschaffen werden, um alle am Sport Beteiligten – von Eltern über Trainerinnen und Trainer bis hin zu Fachpersonen und den Spielerinnen selbst – mit wissenschaftlich fundiertem Wissen über den weiblichen Körper und die weibliche Physiologie auszustatten.
"Letztendlich geht es darum, Spielerinnen zu befähigen, ihren eigenen Körper besser zu verstehen", sagt Scott. "Wir wissen, dass viele Mädchen während der Pubertät den Sport aufgeben – nicht nur den Fussball, sondern den Sport allgemein. Ein Grund dafür ist, dass sie häufig genauso trainiert werden wie Jungen und nicht ausreichend über die physiologischen Veränderungen ihres Körpers aufgeklärt werden. Das Female Health & Performance Project soll dazu beitragen, diese Lücke zu schliessen – auch in den Schulen."
Ein besonderes Merkmal des Projekts ist sein globaler Ansatz: Alle 211 FIFA-Mitgliedsverbände erhalten Zugang zu 13 massgeschneiderten Schulungsmodulen mit spezialisierten, wissenschaftlich geprüften Informationen. Die Inhalte sind in vier Stufen aufgebaut und auf unterschiedliche Wissens- und Erfahrungsniveaus zugeschnitten.
"Mehr als 30 internationale Expertinnen und Experten haben zu den Inhalten beigetragen und sichergestellt, dass diese die besten derzeit verfügbaren Erkenntnisse widerspiegeln", erklärt Scott. "Eine der grössten Stärken des Projekts ist die Vielfalt seines globalen Expertennetzwerks. Die Mitwirkenden vertreten unterschiedliche Regionen der Welt, und wir profitieren zudem von den praktischen Perspektiven der sechs FIFA-Konföderationen.
Diese Vielfalt geht weit über geografische Grenzen hinaus. Sie umfasst unterschiedliche Kulturen, Hintergründe, Erfahrungen und Denkweisen. Die Zusammenführung dieser Perspektiven bereichert sowohl die Diskussionen als auch die Lernerfahrung."
Neben der Bildungsplattform bietet das Programm auch spezialisierte Trainingsprogramme für Frauen-Nationalmannschaften an. Davon profitieren derzeit 47 Mitgliedsverbände aus allen sechs FIFA-Konföderationen.
"Dies hat uns wertvolles Echtzeit-Feedback darüber geliefert, wie die Bildungsinhalte in unterschiedlichen Umgebungen aufgenommen und angewendet werden. Einer meiner Mentees ist beispielsweise in Südafrika tätig. Er ist männlich, und wir haben eng zusammengearbeitet, um sein Verständnis, sein Wissen und sein Selbstvertrauen in Bezug auf diese Themen zu stärken. Gleichzeitig haben wir untersucht, wie die Inhalte an den südafrikanischen Kontext angepasst und dort umgesetzt werden können.
Dieser fortlaufende Dialog und die praktische Anwendung waren unglaublich wertvoll. Sie haben uns nicht nur geholfen, die Wirkung des Programms besser zu verstehen, sondern auch die Weiterentwicklung und Verfeinerung der Inhalte massgeblich beeinflusst."
Wie Scott bereits betonte, geht es darum, eine Bewegung anzustossen und die Zusammenarbeit zu stärken. Bestehende Initiativen sollen dabei nicht ersetzt, sondern ergänzt werden. Ziel ist es, eine gemeinsame Sprache zu etablieren, die auf den besten verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen basiert. Genau diese Chance bietet das FIFA-Projekt für die Gesundheit, das Wohlbefinden und die Leistung von Frauen.
Wir müssen sicherstellen, dass wissenschaftliche Erkenntnisse in praktische, zugängliche Leitlinien umgewandelt werden, die im Alltag angewendet werden können – vom Breitensport bis hin zu Leistungssportumgebungen und in jeder Lebensphase einer Frau.
"Wir wissen beispielsweise bereits, dass viele Sportlerinnen unter Menstruationsbeschwerden leiden oder dass Verletzungen des vorderen Kreuzbandes bei Frauen drei- bis sechsmal häufiger auftreten als bei Männern. Der nächste Schritt besteht darin zu verstehen, welche Massnahmen die Schwere der Symptome verringern, das Verletzungsrisiko senken und die Ergebnisse verbessern können", erklärt Scott.
"Bei der Untersuchung des Verletzungsrisikos dürfen wir uns nicht ausschliesslich auf Physiologie und Hormone konzentrieren. Wir müssen auch umfassendere Fragen stellen: Nehmen Sportlerinnen an Programmen zur Verletzungsprävention teil? Welche Entwicklungsmöglichkeiten stehen jungen Mädchen zur Verfügung? Welche Unterstützungssysteme gibt es nach einer Verletzung oder Operation? Und welcher Zugang zu medizinischer Versorgung steht Sportlerinnen offen? Forschung hat letztlich nur dann einen Wert, wenn ihre Erkenntnisse in die Praxis umgesetzt werden können.
Letztendlich sind die Prioritäten klar: mehr Investitionen in die Forschung, eine stärkere Zusammenarbeit zwischen den Organisationen und ein stärkerer Fokus darauf, wissenschaftliche Erkenntnisse in konkrete Massnahmen zu übersetzen. So können wir Mädchen und Frauen im Sport bestmöglich unterstützen und ihnen helfen, eine gesunde, nachhaltige und erfolgreiche Sportkarriere zu verfolgen."